Aktive Wiederbesiedlung von Gewässern
08/2022 - 08/2025
Titel
Möglichkeiten und Grenzen einer aktiven Wiederbesiedlung von Gewässern mit gewässertypspezifischen Arten durch Besatz- und Bepflanzungsmaßnahmen
Projektziele
- Eruierung des aktuellen wissenschaftlichen Stands und der Erfahrungen zur Wiederbesiedlung von Gewässern durch aktive Besatz- und Bepflanzungsmaßnahmen und Übertragung auf eine Umsetzung in sächsischen Gewässern mit Bezug zur Erfolgsverbesserung von Gewässerrenaturierungen in Verbindung mit der Bewertung biologischer Qualitätskomponenten nach EG-WRRL
- Erwartete Ergebnisse: Methodik zur Identifikation geeigneter Arten und Maßnahmen, wissenschaftlich begründete Auswahl besonders geeigneter Arten und geeigneter Gewässer als Grundlage für konkrete Projekte
- Produkte: Berichte, Karten, Daten (GIS-Daten, tabellarische Daten), Bewertungs- und Berechnungsmethodik
- Zielgruppe: Behörden, Institutionen, Forschungseinrichtungen, Planungsbüros, Verbände, die sich mit der Umsetzung der WRRL beschäftigen
Projektergebnisse
- Nur 6,6 % der sächsischen Fließgewässerwasserkörper (Stand 2021) sind in einem guten ökologischen Zustand. Es müssen zahlreiche Maßnahmen geplant und umgesetzt werden, um den Zustand zu verbessern. Mit der möglichen Maßnahmenumsetzung durch Wiederansiedlungsprojekte ist die Erwartung verbunden, dass sich anspruchsvoller Arten wieder in geeigneten Gewässerabschnitten etablieren, damit sich eine Verbesserung des ökologischen Zustands auch in den Ergebnissen der Überwachungsprogramme nachweisen lässt. Eine natürliche Wiederbesiedlung kann durch verschiedene Hemmnisse wie Querbauwerke und Talsperren erschwert oder ganz unterbunden werden bzw. lange Zeiträume erfordern, so dass eine aktive Wiederansiedlung diesen Prozess unterstützen und ggf. wesentlich beschleunigen kann.
- Grundsätzlich müssen vor einer aktiven Wiederbesiedlung die artspezifischen Habitate vorhanden und die Ansprüche der Arten an die Wasserbeschaffenheit (chemisch-physikalische Parameter) erfüllt sein.
- Erfahrungen mit Projekten zur Wiederansiedlung von Gewässerorganismen gibt es in Sachsen z.B. mit dem Lachs und der Flussperlmuschel. Mit dem FuE-Projekt wurde jetzt geprüft, ob auch andere Zielarten bei der Wiederbesiedlung sächsischer Gewässer unterstützt werden können. Vorschläge welche Arten und welche Gewässer dazu geeignet sind, werden unterbreitet.
- Die entwickelte Methodik begann mit einer Analyse sächsischer Daten und ging über die Identifizierung potenzieller Zielgewässer und die Identifizierung geeigneter Arten oder Artgemeinschaften hin zu einer Detailprüfung konkreter Zielgewässer und Arten. Die Methode hat sich als anwendbar erwiesen.
- Bei den Fischen stellten sich die Arten Elritze und Groppe als grundlegend geeignet für Wiederbesiedlungsprojekte in Sachsen heraus. Einige Zielgewässer und Spendergewässer wurden identifiziert. Als Sonderfall wurde die Fischart Schneider betrachtet, die in Sachsen ausgestorben ist, für die eine Wiederansiedlung aber in Betracht kommen kann.
- Beim Makrozoobenthos (größere wirbellose Tiere des Gewässerbodens) zeigte sich, dass man eher Lebensgemeinschaften (mehrere Arten) mit Hilfe von exponierbaren Substraten aus Gewässern mit einer Artzusammensetzung, die den guten ökologischen Zustand indiziert, umsiedeln sollte als einzelne Arten. Geeignete Gewässer finden sich im sächsischen Mittelgebirgsbereich und weniger im Tiefland.
- Bei den Makrophyten (Wasserpflanzen) rückten eher unerwartet die Wassermoose in den Fokus der Betrachtung. Mit konkreten Wiederansiedlungsprojekten würde man hierbei Neuland betreten, da dazu bisher keine Erfahrungen vorliegen. Bestimmte Arten höherer Wasserpflanzen können beim aktuellen Zustand der Gewässer vor allem ergänzend als Strukturbildner und als Habitatelement wiederangesiedelt werden. Potenzielle Zielgewässer finden sich primär im sächsischen Mittelgebirge.
- Die FuE-Studie bietet eine gute Grundlage zur Weiterführung in Form von praktischen Projekten zur Verbesserung des Gewässerzustands.
Abschlussbericht
- Aktive Wiederbesiedlung von Gewässern Schriftenreihe, Heft 7/2026
Kontakt
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Referat 44: Oberflächenwasser, Wasserrahmenrichtlinie
Johannes Kranich
Telefon: 0351 8928-4419
Telefax: 0351 8928-4099
E-Mail: Johannes.Kranich@lfulg.sachsen.de
Webseite: https://www.lfulg.sachsen.de