RAINMAN – Integriertes Starkregenrisikomanagement

Laufzeit: 07/2017 - 06/2020

Projektziele

Starkregenereignisse können nahezu an jedem Ort zu Überflutungen führen, häufig mit nur sehr kurzer Vorwarnzeit. Jedes Jahr sterben Menschen oder verlieren ihr Zuhause. Umweltschäden, wie zum Beispiel Wasserverschmutzung treten auf. Die zerstörerischen Auswirkungen von Starkregen sind eine der bedeutendsten Naturgefahren in Europa.

Das Projekt RAINMAN hatte zum Ziel, über ein integriertes Starkregenrisikomanagement in städtischen und ländlichen Regionen, zur Vermeidung und zur Minimierung von Schäden beizutragen, die in Zusammenhang mit Starkregen entstehen. Partner aus sechs Ländern erarbeiten dafür gemeinsam die RAINMAN-Toolbox, eine online verfügbare Plattform zum Thema, die sich hauptsächlich an Kommunen richtet, aber auch Informationen für Privatpersonen und andere potentiell Betroffene und Interessengruppen bereithält.

Starkregen geht alle an!

Projektergebnisse

Vorbemerkung: Im Projekt erarbeitete Erkenntnisse und Empfehlungen fließen (hoffentlich) auch in Entscheidungen von Arbeitsgruppen auf EU-Ebene ein, v.a. bei der Weiterentwicklung einer EU-Richtlinie zum integrierten Hochwasserschutz (RAINMAN-Aktivitäten: 2 Veranstaltungen in 10/2019 und 06/2020 sowie Entwicklung eines »Policy Papers« als Bestandteil der RAINMAN-Toolbox). Im Projekt erarbeitete Materialien, die v.a. die Zielgruppe »breite Öffentlichkeit« in Sachsen ansprechen sollen, sind: Toolbox-Erklär-Broschüre; Postkartenset; Hochwasserlehrpfad mit Geocache-Station Oderwitzer Landwasseraue; die Kernaussagen, die darüber transportiert werden sollen, lauten:

  • Starkregen geht alle an, denn er kann überall zu Schäden führen und jeden treffen – auch abseits von Gewässern und außerdem nahezu ohne Vorwarnzeit. (wo genau Starkregen auftreten und wie viel es dann regnet, ist kaum vorhersagbar; außerdem sind weitere Einflussgrößen entscheidend für die Frage, ob es zu Schäden kommt).
  • Im Zuge des Klimawandel ist damit zu rechnen, das Starkregenereignisse in Sachsen häufiger auftreten und an Intensität zunehmen – Phänomene, wie Dürre/Niedrigwasser und Starkniederschlag/Hochwasser gehen dabei Hand in Hand und bedingen einander; Schäden durch wild ablaufendes Wasser, Geschiebe oder Sedimentablagerungen bei Starkregen sind lokal meist begrenzt, können aber erheblich sein; im Ereignisfall besteht u.U. Lebensgefahr (nicht in den Keller gehen; nicht mit dem Auto durchs Wasser fahren, …) 
  • »Informiere Dich«, »pack es an« und »sorge vor« – wenn es regnet ist dafür keine Zeit mehr (= Kurz-Botschaft an Jedermann & Text der Postkarten, wichtiger Zusatz: Das LfULG und andere unterstützen dich dabei (besuche die RAINMAN-Toolbox!); Achtung bei der Verbreitung dieser Botschaft: Das Thema ist komplex, bereits die Informationsbeschaffung und Bewertung kann zur Herausforderung geraten, da Informationen (insb. über das lokale Starkregenrisiko) bisher kaum verfügbar sind und allg. Informationen immer erst auf den lokalen Kontext bezogen werden müssen. 
  • Es gibt viele Möglichkeiten zur Vorsorge – auch für Private und auch ohne, dass diese immer viel Geld kosten müssen. Z.B. können auch das eigene Engagement in der örtlichen FFW oder die Informationsvorsorge (z.B. durch Installation einer Warn-App auf dem Handy) zur Minderung des eigenen & des örtlichen Risikos beitragen. Viel mehr noch als Maßnahmen zur Vorsorge gegen Schäden durch Flusshochwasser müssen Maßnahmen zur Vorsorge gegen Schäden durch Starkregen von vielen verschiedenen Menschen und in der Fläche umgesetzt werden. Jeder trägt dabei ein Stück Verantwortung.       

Es ist geschafft – Die RAINMAN-Toolbox ist online!

Rainman Toolbox

Dokumentationen der gesammelten Projekterfahrungen der vergangenen 3 Jahre zu den vielfältigen Möglichkeiten für die Verbesserung der kommunalen Starkregen-Vorsorge hat das Projekt in der Webseite RAINMAN-Toolbox - https://rainman-toolbox.eu/de - versammelt und damit eine Wissensbasis für die Verantwortlichen geschaffen. BürgerInnen finden zum Beispiel Broschüren und Checklisten zum Herunterladen, damit diese herausfinden können, ob das eigene Zuhause gefährdet ist und einen persönlichen Notfallplan erstellen können, um sich und andere zu schützen und im Notfall richtig zu reagieren.

In erster Linie richtet sich das neue Informationsangebot aber an Gemeinden: Kommunale Entscheider sollten wissen, wo sich im Fall von Starkregen Wasser sammelt und wo es auf seinem Weg zum nächsten Fluss oder See Menschen, Infrastruktur und Eigentum schädigen kann. Nur so können sie passende Vorsorgemaßnahmen treffen. Sie finden in der Toolbox Werkzeuge zur Risikobewertung und Kartierung. Auch über mögliche Ansatzpunkte zur Risikominderung können sie sich online informieren. Die Möglichkeiten reichen dabei von lokalen Maßnahmen der Flächennutzungsplanung, über natürliche oder technische Maßnahmen zum Rückhalt oder der sicheren Ableitung des Wassers, bis hin zur Berücksichtigung von Starkregenszenarien im Katastrophenschutz.

Einen ersten Überblick über die Inhalte und den Aufbau der RAINMAN-Toolbox können Sie sich in unserer Broschüre verschaffen.

Schautafel Starkregenlehrpfad Oderwitz
Schautafel Starkregenlehrpfad Oderwitz  © Gemeinde Oderwitz

Dass Risikokommunikation auch kreativ in der Landschaft erfolgen kann, zeigt der Starkregen-Lehrpfad in Oderwitz (Landkreis Görlitz). Vier Informationstafeln führen entlang der Landwasseraue. Neben Berichten zu vergangenen Überflutungsereignissen im Ort werden nützliche Tipps zur Vorbereitung auf ein solches Ereignis und Möglichkeiten zur Eigenvorsorge gegeben. Oderwitz war in den letzten Jahren mehrfach von Starkregen- und Hochwasserereignissen betroffen, die große Schäden in der Ortslage verursachten. Um verschiedene Altersgruppen anzusprechen, ist neben den Informationstafeln auch ein Geocache eingebunden und trägt den Namen »Land unter!«.

Der Lehrpfad soll nicht nur das Risikobewusstsein vor Ort aufrechterhalten, sondern auch die Risikowahrnehmung unter der Bevölkerung hervorrufen und schärfen. Denn: private Eigenvorsorge ist ein wichtiges Element des integrierten Hochwasser- und Starkregenrisikomanagements. Die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Risiken bei Starkregen und Werbung für mehr Eigenvorsorge bei Hauseigentümern, die nicht im Überschwemmungsbereich von Flüssen leben, stellt eine Herausforderung für Kommunen dar.

Ansprechpartner

Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Referat 45: Landeshochwasserzentrum, Gewässerkunde

Dr. Andy Philipp

Telefon: 0351 8928-4505

Telefax: (0351) 8928-4099

E-Mail: Andy.Philipp@smekul.sachsen.de

Webseite: http://www.smul.sachsen.de/lfulg

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