Standortgerechte Gehölze am Gewässer und ihre Funktionen

Fichten als Flachwurzler werden schnell unterspült und die Wurzeln bieten dem Ufer keinerlei Halt.
Fichten als Flachwurzler werden schnell unterspült und die Wurzeln bieten dem Ufer keinerlei Halt. 
© LRA Mittelsachsen

Gehölze spielen eine wichtige Rolle für Gewässer. Doch nur standortgerechte Gehölze können die vielen komplexen Funktionen auch erfüllen.

Die Artzusammensetzung standortgerechter Gehölze unterscheidet sich natürlich je nach Fließgewässertyp. Im Erzgebirge sind dies andere Arten als im sandigen Tiefland Nordsachsens. Doch generell gilt, dass Nadelgehölze natürlicherweise nicht oder nur selten an Gewässern wachsen. Viele Nadelgehölze kommen mit der Nässe nicht zurecht. Von Thuja, Eibe, Fichte oder Lebensbaum sollte daher im Gewässerrandstreifen unbedingt abgesehen werden. Fichten werden als Flachwurzler zudem schnell unterspült und sind daher nicht geeignet ein Ufer zu sichern. Die Nadeln verursachen eine Versauerung des Gewässers und stellen dadurch ein ökologisches Problem dar. Verschiedene Arten des Makrozoobenthos benötigen Laub als Nahrungsgrundlage, Nadeln können sie dagegen aufgrund der Konsistenz und Inhaltsstoffe kaum verwerten. Doch auch nicht alle Laubbäume sind ans Gewässer angepasst. Der beliebte Kirschlorbeer ist beispielsweise anfällig bei Staunässe und damit im Gewässerbereich ungeeignet. Außerdem können auch seine Blätter kaum von den Tieren im Gewässer verwertet werden.

Bei gewässertypischen Gehölzen ist dies anders. Schwarzerle, Weide und Esche sind hervorragend ans Gewässer angepasst. Auch Vogelkirsche, Eberesche, Traubenkirsche, Holunder oder Hartriegel sind geeignete Arten, die zudem etwas niedriger wachsen und auch in der Park- oder Gartengestaltung gern genutzt werden. Mit Hasel, Hainbuche, Schlehe oder Weißdorn können lebendige, artenreiche Hecken am Gewässer entstehen. Diese Gehölze erfüllen viele Funktionen, auf die das Gewässer mit seinem Ökosystem angewiesen ist. Deshalb sind sie auch geschützt, eine Entnahme von standortgerechten Gehölzen ist nach Wasserhaushaltsgesetz (§ 38) verboten, außerdem dürfen im Gewässerrandstreifen keine nicht-standortgerechten Gehölze gepflanzt werden.

Die Funktionen der Gehölze sind vielseitig und betreffen nicht nur das Gewässerökosystem, sondern auch terrestrische Ökosysteme und sogar den Menschen. Als Schattenspender profitieren Tiere im Gewässer davon, dass sich das Wasser im Sommer weniger stark erwärmt als in unbeschatteten Bereichen. Gleichzeitig reduziert sich der Bewuchs durch Wasserpflanzen. Dadurch verkrautet das Gewässer nicht, der Hochwasserabfluss wird nicht behindert und die Kommune spart sich die Kosten für Krautung und Mahd. Ideal ist es dabei, wenn auch der Gehölzschnitt auf ein notwendiges Minimum reduziert wird, sodass einzelne Bäume groß wachsen dürfen. So wird die Beschattung optimiert und gleichzeitig eine Verbuschung vermieden, in der sich im Hochwasserfall Treibgut verheddern kann. Die dicken Wurzeln der großen Bäume sichern zudem das Ufer im Hochwasserfall besonders gut und verhindern Uferabbrüche langfristig effektiv. 

Neben diesen Aspekten stellt ein Gehölzsaum auch einen wertvollen Lebensraum dar - für Tiere im Wasser, an Land und in der Luft. Tiere bewegen sich gerne entlang der Gehölzstreifen durch die Landschaft, nutzen sie als Versteck oder zur Nahrungssuche. Der Gehölzstreifen ist auch ein natürlicher Pufferstreifen, der zum Beispiel Nährstoffe zurückhält.

Ein vitaler Gehölzbestand mit großen Bäumen hat also viele Vorteile und sollte das Idealziel am Gewässer sein – außerorts wie innerorts. Voraussetzung ist, dass die Gehölze an den Standort am Gewässer angepasst sind, denn nur solche Arten können diese Funktionen auch erfüllen. 

 

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(© LfULG, Wetzelt)

Ein gesundes Gewässer mit vielen Gehölzen. Deren Funktionen sind entscheidend für ein vitales Ökosystem, wie es hier vorliegt.

Ein gesundes Gewässer mit vielen Gehölzen. Deren Funktionen sind entscheidend für ein vitales Ökosystem, wie es hier vorliegt.
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(© LfULG, Wetzelt)

a. Durch fehlende Beschattung ist das Gewässer verkrautet und muss aufwendig gepflegt werden. Eine Gehölzpflanzung löst dieses Problem und spart Kosten.

Schnurgerader nicht beschatteter und verkrauteter Bach
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(© Richter, LfULG)

Die Gehölze sind standortfremd und schaden der Ökologie.

standortfremde Gehölze an einem Bach
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(© Richter, LfULG)

Auch in Ortslagen sind standortgerechte Gehölze möglich, die mit ihrer Beschattung gut für das Gewässer sind und zu einem schönen Ortsbild beitragen.

Auch in Ortslagen sind standortgerechte Gehölze möglich, die mit ihrer Beschattung gut für das Gewässer sind und zu einem schönen Ortsbild beitragen.
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(© Richter, LfULG)

Das Beispiel zeigt, dass standortgerechte Gehölze sich zur optisch ansprechenden Gestaltung in Ortslagen eignen, ohne dass das Gewässer beeinträchtigt wird.

a. Das Beispiel zeigt, dass standortgerechte Gehölze sich zur optisch ansprechenden Gestaltung in Ortslagen eignen, ohne dass das Gewässer beeinträchtigt wird.
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(© Knauer, LfULG)

Standortfremde Gehölze, die keine Funktionen erfüllen. Eine Aufwertung durch standortgerechte Gehölze ist immer anzustreben.

Standortfremde Gehölze, die keine Funktionen erfüllen. Eine Aufwertung durch standortgerechte Gehölze ist immer anzustreben.
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(© LRA Mittelsachsen)

Fichtenbestand am Gewässer. Die Bäume wurden unterspült, der Boden ist kahl, es kann sich kein naturnahes Ökosystem entwickeln.

Fichtenbestand am Gewässer. Die Bäume wurden unterspült, der Boden ist kahl, es kann sich kein naturnahes Ökosystem entwickeln.
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