Hauptinhalt

Landesmessnetz Grundwasser

Häufige Fragen und Antworten zum Messnetz Grundwasser

Der Freistaat Sachsen betreibt derzeit etwas über 1.500 Grundwasser-Messstellen. Sie werden als »Landesmessnetz Grundwasser« bezeichnet. Darüber hinaus gibt es noch Messstellen anderer Messnetzbetreiber oder unbekannter Rechtsträgerschaft, die keinem Messnetz zugeordnet sind.

Rechtsgrundlage sind das Sächsische Wassergesetz (§ 89 »Gewässerkundliches Messnetz«) und die Grundwasserverordnung (§ 9 »Überwachung des mengenmäßigen und chemischen Grundwasserzustandes«). Zudem bestimmt die Sächsische Wasserzuständigkeitsverordnung das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie als zuständige Stelle für die Ermittlung, Sammlung und Aufbereitung von gewässerkundlichen und wasserwirtschaftlichen Daten.

Ein Messnetz besteht aus einzelnen Messstellen. Eine Messstelle kann zu mehreren Messnetzen gehören (Mehrfachnutzung). Für Auswertungen können Messstellen unterschiedlicher Betreiber/Rechtsträger herangezogen werden, in Abhängigkeit von den Anforderungen an Messstellen und Messdaten.

Für Auswertungen, die sich wiederholen, werden nach Möglichkeit die Daten von immer denselben Messstellen genutzt. Diese Messstellen werden dann unter einem Messnetz-Namen, zum Beispiel »Wasserrahmenrichtlinien-Messnetz«, zusammengefasst.

Messnetze werden nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt, zum Beispiel nach  Messgröße (Wasserstand, Wasserinhaltsstoffe), Rechtsträgerschaft (z.B. Freistaat Sachsen, Bergbauunternehmen), regionaler Lage, Sonderaufgaben /- auswertungen (z.B. Altlastenüberwachung). Einen Überblick bietet die Messnetzkonzeption Grundwasser.

Unsere wichtigsten und bekanntesten Messnetze sind:

  • Landesmessnetz Grundwasser: Messstellen in Rechtsträgerschaft des Freistaates Sachsen,
  • Messnetz Grundwasserstand: Messstellen des Landesmessnetzes Grundwasser, die der Erfassung von Wasserständen oder Quellschüttungen (aus einer Quelle austretendes Wasservolumen in einer bestimmten Zeit) dienen,
  • Messnetz Grundwasserbeschaffenheit: Messstellen des Landesmessnetzes Grundwasser, die zur Untersuchung der Grundwasserbeschaffenheit genutzt werden,
  • Wasserrahmenrichtlinien-Messnetz: Messstellen zur Zustandsbewertung der Grundwasserkörper, die repräsentativ sind für den Grundwasserkörper,
  • EUA-Messnetz: Messstellen zur Beurteilung des Umweltzustands durch die Europäische Umweltagentur, die repräsentativ sind für verschiedene Nutzungsarten
  • Nitratmessnetz: Teilmessnetz des EUA-Messnetzes aus denjenigen Messstellen, die repräsentativ sind für die landwirtschaftlichen Nutzungsarten Acker- und Grünlandnutzung.

Hierunter wird in der Regel das EU-Nitratmessnetz verstanden. Das ist ein europaweites Messnetz, welches für die Berichterstattung gemäß der Richtlinie 91/676/EWG (Nitratrichtlinie) eingerichtet wurden. Es besteht aus einer repräsentativen Auswahl aus Messstellen (in Sachsen 37), die die Belastungen aus landwirtschaftlichen Quellen widerspiegeln. Der Parameter Nitrat wird aber auch an allen ca. 560 Grundwasser-Beschaffenheits-Messstellen im Land gemessen und im Bedarfsfall für Auswertungen herangezogen.

Hinweise des Bundesumweltministeriums zu Nitratmessnetzen sind zu finden unter:

Der Sächsische Landesbauernverband hat im Februar 2020 ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches den Zustand eines Teils der Grundwassermessstellen (GWM) des Freistaates Sachsen bewertet hat. Dazu stellen das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und die Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) nach intensiver Prüfung des Gutachtens fest:

Der Gutachter hat keinen Nachweis erbracht, welche baulichen Mängel welche konkreten Veränderungen der Grundwasserbeschaffenheit bewirken. Die allgemein anerkannten Regeln der Technik, z.B. des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), sagen dazu auch nichts aus.

Der Gutachter hat die ordnungsgemäße und qualitätsgesicherte Grundwasserprobennahme sowie die Analytik in seinem Gutachten grundsätzlich bestätigt.

Die vom Gutachter festgestellten Mängel können vom LfULG / der BfUL nicht geteilt werden, da sie auf folgenden Fehlern beruhen:

  • Der einbezogene Datenbestand der Datenbanken umfasst nicht alle vorliegenden Informationen zu den Messstellen. Zusätzlich angebotene Unterlagen, Abstimmungen oder Vor-Ort-Begehungen wurden nicht einbezogen bzw. abgelehnt.
  • Offensichtliche Unplausibilitäten in der Datenlage wurden nicht weiterverfolgt.
  • Jede nicht eingetragene Information (z.B. in 33 Fällen nicht eingetragene Abschlusskappe oder Schutzrohr/ Betonsockel) führte dazu, dass die GWM ungerechtfertigt als ungeeignet eingestuft wurde.
  • Der im Gutachten vorgenommene formale Vergleich von Ausbaudaten mit Vorgaben des Regelwerkes schließt notwendige und zulässige Abweichungen vom Normausbau aus. Diese sind jedoch bei örtlicher hydrogeologischer Situation fachlich geboten und gerechtfertigt.

Im Ergebnis kommen das LfULG und die BfUL zu dem Schluss, dass mit dem Gutachten des SLB kein Zusammenhang zwischen einem baulichen Mangel und einer Veränderung hinsichtlich Nitrat feststellbar ist und damit die Ergebnisse des Gutachtens nicht haltbar sind.

Das Messnetz wird in seiner Gesamtheit als repräsentativ und den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend eingestuft. Als fehlerhaft erkannte Messstellen werden im Rahmen des Routinebetriebs erkannt, behandelt und gegebenenfalls aussortiert und stillgelegt. Die BfUL handelt im Rahmen eines akkreditierten Probennahmesystems.

Die Ausweisung der Nitratgebiete ist vom aktuellen Gutachten nicht betroffen, da die im November erlassene Verwaltungsvorschrift zur Gebietsausweisung andere Anforderungen stellt, als die, die der Gutachter anwendete.

 

Untersuchungen zur Grundwasserbeschaffenheit werden an jeder Messstelle in der Regel ein bis zweimal pro Jahr durchgeführt. Dazu wird eine Probe entnommen und auf Wasserinhaltsstoffe untersucht.

Wasserstände und Quellschüttungen werden in der Regel viermal pro Monat oder täglich bestimmt.

Die Grundwassermessstellen des Freistaates Sachsen werden im Auftrag des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) von Fachfirmen gebaut. Für den Betrieb ist die Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) zuständig. Dort erfolgen auch Probennahme und Analytik.

Im Sächsischen Umweltdatenportal »Interdisziplinäre Daten und Auswertungen – iDA«, Thema Wasser / Grundwasser / Grundwassermessstellen oder / Messwerte, können die Daten zu Messstellen einschließlich ihrer Lage (Luftbild zuschaltbar) sowie die Messwerte (Grundwasserstand, Analysenergebnisse) einschließlich ihres zeitlichen Verlaufes öffentlich eingesehen werden:

Im Sächsischen Umweltdatenportal »Interdisziplinäre Daten und Auswertungen – iDA«, Thema Geologie / Geologische Aufschlüsse, können Bohransatzpunkte recherchiert werden.

Die zugehörigen Daten müssen per E-Mail (bohrarchiv.lfulg@smul.sachsen.de) angefordert werden.

Zur flächenhaften Bewertung der Grundwasserbeschaffenheit werden auch Daten anderer Betreiber herangezogen. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie ist befugt, diese Daten zu erheben und weiterzuverarbeiten. Eine Veröffentlichung kann aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen nicht erfolgen. Interessenten müssen den Eigentümer der Messstelle um Herausgabe von Daten bitten.

Grundsätzlich ja, aber derzeit gibt es keine Kapazität, um solche Angebote zu prüfen. Denn nur wenn die Qualitätsanforderungen an Messstelle, Probenahme und Analytik eingehalten sind bzw. nur soweit Gelder und Personal für Messstellenbetrieb und Analytik ausreichen, wären solche Übernahmen möglich.

Häufige Fragen und Antworten zur Qualitätssicherung

Der Standort einer Messstelle wird je nach fachlicher Aufgabenstellung und Ziel, Grundstücksverfügbarkeit und Zugänglichkeit für Bau und spätere Messungen ausgewählt.

Der Bau einer Messstelle erfolgt nach dem Merkblatt »Bau von Grundwassermessstellen« des Arbeitskreises »Grundwasserbeobachtung«:

Jährlich wird an jeder Messstelle des Landesmessnetzes eine einfache Funktionsprüfung mit äußerer Zustandsprüfung, Lotung der Messstelle, Wasserspiegelmessung mit Ganglinienvergleich durchgeführt. Zusätzlich wird bei Messstellen, an denen die Grundwasserbeschaffenheit untersucht wird, die Probenahme als Kurzpumpversuch ausgewertet. Dabei werden physikochemische Parameter aufgezeichnet und hinsichtlich Auffälligkeiten geprüft

An neu errichteten und zu übernehmenden Grundwassermessstellen von Dritten wird eine komplexe Funktionsprüfung mit Geophysik und Kamerabefahrung durchgeführt. Diese komplexe Funktionsprüfung wird alle 15 Jahre wiederholt. Sollten in dieser Zeit Auffälligkeiten an Messstellen bei einfachen Funktionsprüfungen festgestellt werden, können anlassbezogen komplexe Untersuchungen durchgeführt werden.

Die Überprüfung erfolgt nach dem Merkblatt »Funktionsprüfung an Grundwassermessstellen« des Arbeitskreises »Grundwasserbeobachtung« sowie nach einer internen Betriebsanweisung der Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft.

Dazu wird zuerst die Messstelle von Technikern geöffnet. Im Grundwasser über dem Filterbereich des Grundwasserbeobachtungsrohres wird eine Förderpumpe eingebaut und ein Wasservolumen gefördert, welches aus dem Rohr und der unmittelbaren Umgebung des Filterbereiches der Messstelle stammt. Dieses Wasser wird zunächst abgeleitet und nicht verwendet, damit sichergestellt werden kann, dass kein durch die Messstelle selbst beeinflusstes Wasser beprobt wird. Das Wasser wird während der gesamten Pumpvorgangs hinsichtlich seiner Zusammensetzung (z.B. pH-Wert, Sauerstoffgehalt, Trübung) kontinuierlich überwacht. Wenn sich im Pumpvolumenstrom eine kontinuierliche Beschaffenheit des geförderten Wassers eingestellt hat, kann die Probe entnommen und entsprechende Flaschen mit dem Probenwasser befüllt werden. Der gesamte Prozess einschließlich des jeweiligen Volumenstroms wird protokolliert.

Prinzip der Grundwasserprobennahme
Grundwasserprobennahme  © BfUL

Im Landesmessnetz Grundwasser wird das Grundwasser von der Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft beprobt. Die Probenahme erfolgt nach dem Merkblatt »Grundwasserprobenahme« des Arbeitskreises «Grundwasserbeobachtung«.

Informationen zur Qualitätssicherung innerhalb der Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft können auf deren Internetseiten eingesehen werden.

Die Grundwasserproben werden in der Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft analysiert. Informationen zur Akkreditierung und Qualitätssicherung können im Internet eingesehen werden:

Häufige Fragen und Antworten zu nitratbelasteten Gebieten 2021

Nitratbelastete Gebiete 2021 

Die Fragensammlung dient der Beantwortung von Fragen zu den nitratbelasteten Gebieten, die nach der neuen sächsischen Düngerechtsverrodnung seit 01.01.2021 rechtskräftig sind. Ergänzungen zu den Fragen und Antworten werden laufend vorgenommen (letzte Aktualisierung 20.01.2021). Hinweise und Vorschläge für neue Fragen können an das E-Mail-Postfach grundwasser.lfulg@smul.sachsen.de gesendet werden. Einzelfragen von Betrieben sollen an das jeweils zuständige Förder- und Fachbildungszentrum gestellt werden.

Das Umweltbundesamt hat grundlegende Informationen zum Parameter Nitrat veröffentlicht:

Als nitratbelastete Gebiete werden Flächen oder Feldblöcke bezeichnet, in deren Umgebung eine erhöhte Konzentration von Nitrat im Grundwasser durch Messwerte ermittelt und ein Emissionsrisiko aus überschüssigem Stickstoff besteht. Ein Feldblock ist eine zusammenhängende landwirtschaftlich nutzbare Fläche.

Die EU-Kommission hatte im Rahmen der Abstimmungen zur Umsetzung des EuGH-Nitrat-Urteils unter anderem die uneinheitliche Praxis der Ausweisung belasteter Gebiete in den Ländern bemängelt. Daher wurde geregelt, dass die Bundesregierung eine Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur einheitlichen Ausweisung belasteter Gebiete erlässt.

Grundlage der Ausweisung nitratbelasteter Gebiete ist nunmehr die am 03.November 2020 veröffentlichte Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten (AVV Gebietsausweisung – AVV GeA) in Verbindung mit der Verordnung über die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis beim Düngen (Düngeverordnung - DüV) und der Verordnung zum Schutz des Grundwassers (Grundwasserverordnung - GrwV). Diese Verordnungen setzen aktuell die Richtlinie 91/676/EWG (Nitratrichtlinie) in Deutschland um.

Die punktuell im Grundwasser gemessenen Nitratwerte wurden durch ein mathematisches Verfahren in die Fläche übertragen und es wurden Bereiche mit Nitratkonzentrationen > 50 mg/l ermittelt. Innerhalb dieser Bereiche wurden danach die Feldblöcke ermittelt, bei denen eine Überschreitung eines flächenspezifischen tolerablen Stickstoffsaldos vorliegt. Für die Ermittlung des flächenspezifischen tolerablen Stickstoffsaldos wurde ein bundesweit verfügbares Modell (AGRUM-DE) verwendet. In die Ausweisung wurden nur die Feldblöcke übertragen die a) innerhalb der Flächen mit einer Überschreitung der Nitratkonzentration von 50 mg/l liegen und b) den tolerablen Stickstoffsaldo überschreiten.

Binnendifferenzierung bezeichnet hier die Unterscheidung von mit Nitrat belasteten von unbelasteten Teilgebieten in einem Grundwasserkörper. Als Grundwasserkörper wird ein Grundwasservorkommen oder ein abgrenzbarer Teil eines Grundwasservorkommens bezeichnet. Die Ermittlung von mit Nitrat belasteten und unbelasteten Teilgebieten erfolgt anhand der Konzentrationsverteilung von Messwerten aus dem Grundwasser. Gemäß der Düngeverordnung ist die Ausweisung von Teilgebieten von Grundwasserkörpern als nitratbelastete Gebiete grundsätzlich möglich. Als nitratbelastete Gebiete wurden und werden in Sachsen nur diese binnendiffenzierten Gebiete verwendet, um entsprechende Maßnahmen effektiv zu platzieren.

Bereits die Düngeverordnung 2017 sah die Möglichkeit der Binnendifferenzierung vor. Sachsen hatte diese bereits mit der Ausweisung der nitratbelasteten Gebiete 2019 genutzt. Die erforderliche Neuausweisung 2021 hat für Sachsen eine Reduzierung der ausgewiesenen Flächen erbracht. Diese fällt aber im Vergleich zu jenen Bundesländern geringer aus, die 2019 ihre nitratbelasteten Gebiete zunächst auf der Basis der Grundwasserkörper ausgewiesen hatten.

Mit dem Ausweisungsmessnetz wird die Binnendifferenzierung vorgenommen.

Das Ausweisungsmessnetz umfasst mindestens alle landwirtschaftlich beeinflussten Messstellen, die die Länder nutzen. Dazu zählen insbesondere Messstellen die bereits zur Erfüllung der Aufgaben nach europarechtlichen Normen errichtet wurden, wie das Messnetz Wasserrahmenrichtlinie, das EU-Nitratmessnetz und das EUA-Messnetz. Es können aber auch weitere Messstellen in das Ausweisungsmessnetz übernommen werden, z.B. Messstellen von Trinkwassergewinnungen. Es muss mindestens eine Messstelle je 50 Quadratkilometer vorhanden sein.

Es wurden Nitratmesswerte aus dem Zeitraum 2016 bis 2019 (vier Jahre) verwendet.

Die Prüfung der Analysenergebnisse auf Messfehler und Messunsicherheiten findet im Rahmen der Qualitätssicherung in den Laboren der Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft statt (u.a. Prüfung auf Ionenbilanzfehler, Verfahrensweise bei Messungenauigkeiten und Validierung der Messergebnisse gemäß Handbuch integriertes Management - IMS). Weiterhin werden die Analysenwerte bei der Datenübertragung in das Umweltinformationssystem des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie auf Plausibilität geprüft. Durch beide vorliegenden Verfahren werden nicht plausible Messergebnisse ausgeschlossen.

Grundwassermessstellen, die nach einfacher und geophysikalischer Überprüfung sowie nach Kamerabefahrung nicht funktionsfähig waren, wurden nicht ins Ausweisungsmessenetz aufgenommen. Zudem wurden Messstellen mit Fremdwasserbeeinflussung, Überprägung durch punktuelle Einträge (Altstandorte, Deponien und Altdeponien), nicht bestimmtem oder bestimmbarem Grundwasserleiterkomplex sowie unvollständigem Analysenspektrum nicht bei der Ermittlung der mit Nitrat gelasteten Gebiete berücksichtigt.

Der Sächsische Landesbauernverband hat im Februar 2020 ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches den Zustand eines Teils der Grundwassermessstellen (GWM) des Freistaates Sachsen bewertet hat. Dazu stellen das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und die Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) nach intensiver Prüfung des Gutachtens fest:

Der Gutachter hat keinen Nachweis erbracht, welche baulichen Mängel welche konkreten Veränderungen der Grundwasserbeschaffenheit bewirken. Die allgemein anerkannten Regeln der Technik, z.B. des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), sagen dazu auch nichts aus.

Der Gutachter hat die ordnungsgemäße und qualitätsgesicherte Grundwasserprobennahme sowie die Analytik in seinem Gutachten grundsätzlich bestätigt.

Die vom Gutachter festgestellten Mängel können vom LfULG / der BfUL nicht geteilt werden, da sie auf folgenden Fehlern beruhen:

  • Der einbezogene Datenbestand der Datenbanken umfasst nicht alle vorliegenden Informationen zu den Messstellen. Zusätzlich angebotene Unterlagen, Abstimmungen oder Vor-Ort-Begehungen wurden nicht einbezogen bzw. abgelehnt.
  • Offensichtliche Unplausibilitäten in der Datenlage wurden nicht weiterverfolgt.
  • Jede nicht eingetragene Information (z.B. in 33 Fällen nicht eingetragene Abschlusskappe oder Schutzrohr/ Betonsockel) führte dazu, dass die GWM ungerechtfertigt als ungeeignet eingestuft wurde.
  • Der im Gutachten vorgenommene formale Vergleich von Ausbaudaten mit Vorgaben des Regelwerkes schließt notwendige und zulässige Abweichungen vom Normausbau aus. Diese sind jedoch bei örtlicher hydrogeologischer Situation fachlich geboten und gerechtfertigt.

Im Ergebnis kommen das LfULG und die BfUL zu dem Schluss, dass mit dem Gutachten des SLB kein Zusammenhang zwischen einem baulichen Mangel und einer Veränderung hinsichtlich Nitrat feststellbar ist und damit die Ergebnisse des Gutachtens nicht haltbar sind.

Das Messnetz wird in seiner Gesamtheit als repräsentativ und den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend eingestuft. Als fehlerhaft erkannte Messstellen werden im Rahmen des Routinebetriebs erkannt, behandelt und gegebenenfalls aussortiert und stillgelegt. Die BfUL handelt im Rahmen eines akkreditierten Probennahmesystems.

Die Ausweisung der Nitratgebiete ist vom aktuellen Gutachten nicht betroffen, da die im November erlassene Verwaltungsvorschrift zur Gebietsausweisung andere Anforderungen stellt, als die, die der Gutachter anwendete.

 

Im Ausweisungsmessnetz sind auf Grund des regionalen Verteilungsmusters der Nutzungsstrukturen innerhalb von Sachsen auch Grundwassermessstellen mit anderen Landnutzungen außer ackerbaulicher Nutzung enhalten. Dies können sein: forstwirtschaftliche Nutzungen, Grünland, Siedlung und Verkehr. So sind u.a. auch im EUA-Messnetz als ein Bestandteil des Ausweisungsmessnetzes die Grundwassstellen gemäß der prozentualen Nutzungsverteilung von Sachsen vertreten.

Im interaktiven Datenportal iDA sind unter dem Fachthema Grundwasser alle Messstellen und die verwendeten Messwerte einsehbar. Dabei wird unterschieden in:

  • Grundwassermessstellen: Alle Daten, Messwerte und Sachinformationen zu Grundwassermessstellen, unabhängig vom Messnetz
  • Ausweisungsmessnetz 2021: Messstellen des Ausweisungsmessnetzes mit Darstellung der verwendeten Nitratstützwerte

Dazu existieren verschiedene Datenplattformen. Die Zugänge sind jeweils hier aufgelistet:

Die Überprüfung der Ausweisung der nitratbelasteten Gebiete erfolgt spätestens in vier Jahren. Ob Änderungen an der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Gebietsausweisung erorderlich sind, wird in fünf Jahren überprüft.

Interaktive Kartenanwendung Grundwassermessstellen

zurück zum Seitenanfang